Der Fall Elvers-Elbertzhagen

Ja, ich war neugierig als gestern Mittag der Newsletter von Meedia.de in meinem Email-Postfach landete. Da stand was von “Fremdschäm-TV” in der Überschrift.  Ich klickte auf das angehängte Artikel-Video und sah Jenny Elvers-Elbertzhagen bei der NDR-Sendung “DAS!”. Was da zu sehen war, weiß inzwischen ganz Deutschland. Ich gehe deswegen mal nicht näher drauf ein.

Ich muss zugeben, dass ich mich in den ersten Minuten amüsiert habe. Irgendwie fies. Irgendwie menschlich. Schließlich bekommt man in solchen Situationen die Bestätigung: Auch Promis sind wie du und ich, ganz normale Menschen mit Problemen. Keine Überwesen. Und auch sie blamieren sich mal.

Fotos via commons.wikimedia.org (Jenny Elvers-Elbertzhagen © Siebbi)
Fotos via commons.wikimedia.org (Jenny Elvers-Elbertzhagen © Siebbi)

Schnell kehrte sich das Gefühl um – in Fassungslosigkeit. Ich fragte mich: Was soll das eigentlich? Warum zum Teufel lässt man die Elvers-Elbertzhagen betrunken ein Interview geben? Das muss doch jemand gemerkt haben!? Nö. Angeblich nicht. Zwar schwankte sie sogar im Sitzen von einer Seite zur anderen und lallte als sei sie gerade aus einer Narkose erwacht, aber das fiel niemandem auf.

“Frau Elvers-Elbertzhagen kam erst kurz vor Beginn der Sendung ins ‘DAS!’-Studio. In der knappen Zeitspanne war nicht abzusehen, dass es ihr nicht gut ging und das Live-Gespräch schwierig werden könnte“, erklärt Thomas Kühn vom NDR gegenüber BILD.de. Aha. Sie musste also nicht in die Maske, sondern ist geradewegs auf das Studiosofa gestolpert – ohne mit irgendjemandem vorher auch nur ein Wort gewechselt zu haben? Schwer zu glauben.

Also nahm das Desaster seinen Lauf. Elvers-Elbertzhagen lallte, redete wirres Zeug, saß breitbeinig auf dem Talk-Sofa, kritzelte irgendwas auf ein Blatt Papier und kicherte wie ein frisch verknallter Teenie. Trotzdem wurde das Interview nicht abgebrochen. Warum auch immer. Vielleicht freute man sich klammheimlich. Vielleicht amüsierte man sich. Vielleicht hoffte man auf höhere Einschaltquoten – vor allem nach diesem ganzen Aufruhr.

Dabei wäre es so einfach gewesen, Elvers-Elberthagen zu erlösen. Schließlich wurde das Interview ja von Beiträgen unterbrochen. Warum nicht in dieser Zeit abbrechen? Man hätte sagen können: Frau Elvers-Elbertzhagen ging es nicht so gut. Oder: Sie musste kurzfristig noch einen Flieger kriegen.

Man hätte ihr diese Bloßstellung vor einem Millionenpublikum ersparen können. Es war doch mehr als offensichtlich, dass sie nicht mehr “zurechnungsfähig” war, keine Kontrolle mehr über sich hatte. Nein, stattdessen gab’s noch einen hämischen und unsinnigen Kommentar von Moderatorin Bettina Tietjen als Jenny Elvers-Elbertzhagen ihr Wasserglas umstieß: “Wir schenken gleich nach, nur Wasser natürlich…” Musste das sein? Wozu noch auf Dingen rumhacken, die so offensichtlich sind? Muss man da unbedingt noch einmal nachtreten? Schwach. Das ist peinlich! Viel schlimmer als der Auftritt von Elvers-Elbertzhagen.

Die ist übrigens laut “Bild.de” nun auf dem Weg in eine Entzugsklinik. Ihr Mann hat zugegeben: “Meine Frau hat ohne Frage ein Alkoholproblem. Jenny braucht jetzt dringend Hilfe. Wir werden morgen eine Klinik aufsuchen, in der sie stationär behandelt wird.“ Da kann ich nur sagen: Großartig. Super. Toll, dass ihr Mann ihr Dilemma öffentlich macht. Suchtkranke brauchen nämlich oft einfach die Holzhammer-Methode. Sie müssen oft sehr, sehr tief fallen, um zu erkennen, wie es um sie steht. Deswegen war der Auftritt in der NDR-Show vielleicht auch ihre Rettung, so kurios es klingt.

Wer erinnert sich noch an das Video von David Hasselhoff, das vor einiger Zeit immer wieder im TV gezeigt wurde? Er lag halbnackt am Boden, lallte rum und fraß einen Burger. Ja, er fraß – und war sehr betrunken. Seine eigene Tochter filmte ihn und stellte das Video online. Aus Verzweiflung. Weil sie nicht mehr wusste, was sie tun sollte. Wie sie ihren Vater zurückbekommt. Wie sie ihn wachrüttelt. Angeblich soll Hasselhoff schockiert gewesen sein, sich so zu sehen. Und auch, dass die Öffentlichkeit ihn in diesem armseligen Zustand zu Gesicht bekam.

Vielleicht gehen Elvers-Elbertzhagen derzeit ähnliche Dinge durch den Kopf. Ich wünsche es ihr – und das obwohl ich sie weder kenne noch sympathisch oder unsympathisch finde. Aber solch ein Leben hat wirklich niemand verdient.

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