Die Gejagte

Sie schluckte 20 Pillen eines Schmerzmittels, schnitt sich mit dem Fleischerbeil die Pulsadern auf! Paris Jackson wollte fliehen, diesem Leben entsagen. Doch warum das alles? War ihr am Ende ihr kurzes Leben zuviel?

Als die Nachricht ihres Selbstmordversuchs um den Erdball gesendet wurde, war die Welt geschockt. Unverständnis hallte Paris Jackson (15) entgegen: “Sie ist doch die Tochter von Mega-Star Michael Jackson († 50), wird nach dem Tod ihres Vaters von der restlichen Familie vergöttert, ist berühmt und beliebt.” oder “Andere Kinder haben es doch viel schlimmer.” Ist das so?

Vor gut einem Jahr liefert sie einen spritzig-sympatischen Auftritt bei US-Talkerin Ellen DeGeneres (55) ab: Das Studiopublikum tobt als sie zu einem Song von Beyoncé (32) mit gepfeffertem Hüftschwung über die Bühne tänzelt. Während des Interviews lacht sie laut, wirft sich im roten Sessel zurück, streicht durchs lange offene Haar, auf dem ein cooler schwarzer Hut sitzt. Sie wolle unbedingt Karriere als Schauspielerin machen. Im Fantasy-Abenteuer “Lundon’s Bridge and the Three Keys” habe sie mitgespielt, erzählt Paris mit glänzenden bergseeblauen Augen.

(c) Paris Jackson via Instagram
(c) Paris Jackson via Instagram

Doch die Tiefen von Bergseen sind oft ungemütlich und dunkel. Genauso düster muss es auch in Paris’ Innerem aussehen. In der Schule werde sie gemobbt, wie sie Talk-Queen Oprah Winfrey (59) erzählt. “Warum?”, fragt diese nach. “Ich weiß es nicht”, entgegnet Paris schnell, schaut hastig zur Seite und lächelt gequält. Das ist kein Thema, über das sie sprechen will.

Dabei muss sie sich doch so viel anhören: Eine Gruppe Mädchen hetzt gegen sie, verletzt sie mit Gemeinheiten und Bösartigkeiten. Täglich. Nach den erneuten Missbrauchsanschuldigungen gegen ihren verstorbenen Vater ist das Mobbing noch einmal eskaliert. Nun wird Paris die Schule wechseln.

Ist es der schiere Neid? Denn auch im Internet wird das Mädchen verfolgt. Auf Twitter und Instagram werden im Minutentakt neue Beleidigungen gepostet. Ihre Profile wurden schon mehrfach gefälscht, ihre Bilder missbraucht – bis sie irgendwann ihr Instagram-Profil löschte. Nun ist sie wieder aktiv. Freunde auf Fotos von ihren “Social Media”-Profilen sind Raritäten. Mal streichelt sie ihren Hund. Mal steht sie neben einem Skelett, dazu die morbide Bildunterschrift: “Wir sind das perfekte Paar.”

Ihre einzige Bezugsperson starb vor 4 Jahren: Michael Jackson. Er war alles, was sie und ihre Geschwister hatten – ihre Welt. Und er schuf die Welt um sie herum, in der sie sicher waren, vor den Paparazzi geschützt: Er versteckte sie hinter abstrusen Karnevalsmasken, doch er tat dies, um ihnen zumindest einen Teil Normalität zu schenken, in der sie sich frei bewegen und Kind sein konnten.

Als er stirbt, stirbt ihre Welt. Die Masken waren gefallen. Endgültig. Auch die der Familie. Jeder erinnert sich an Paris’ bewegenden TV-Auftritt. Widerwillig tritt sie vor das Mikrofon. Man sagt, der Jackson-Clan habe sie gezwungen. Mit tränenerstickter Stimme stammelt sie: “Ich wollte nur sagen: Seitdem ich geboren bin, war Daddy der beste Vater, den man sich vorstellen kann. Ich wollte nur sagen: Ich liebe ihn so sehr.” Sie dreht sich um, vergräbt ihren Kopf in die Arme ihrer Tante Janet und weint. Genau zu dieser Zeit ist ein heftiger Streit um das Sorgerecht für Prince, Blanket und Paris in Gange. Alle wollen sie haben, Michaels Mutter Katherine (83) gewinnt.

Aber aufgeben? Um keinen Preis! Michael Vater, Joe Jackson (84), erkannte früh, was in seiner Enkelin schlummert: “Paris ist die Anführerin. Sie wird sehr schnell erwachen. Wie alle Jacksons hat sie das Showbiz-Gen. Prince ist ruhiger, spielt verschiedene Instrumente. Blanket ähnelt seinem Vater am meisten.“ Über die Zukunft der Kinder sagt er: „Möglich, dass sie ins Showgeschäft gehen – Michael wäre stolz.“ Ein Paket, das man in viel, viel Bares verwandeln kann. Wer will darauf schon verzichten?

Geld, Geld, Geld – auf das haben es auch die ganzen möglichen “Väter” abgesehen. Schon als die Jackson-Kinder das Licht der Welt erblicken, klingeln die Kassen dreier Männer. Bisher sind sie noch leer. Die Namen der Vaterschaftsanwärter: Mark Lester (54), Pate der Kinder, Schauspieler und ein langjähriger Freund Michael Jacksons. Arnold Klein (68), Hautarzt und früherer Chef von Jacksons Ex-Ehefrau Debbie Rowe (54). Und Matt Fiddes (34), ein ehemaliger Leibwächter des Popstars. Kaum war Jacksons Leiche erkaltet, stellten sie Ansprüche.

Bisher gingen die Kinder davon aus, “richtige” Geschwister zu sein. Ein Vertrauter des Jackson-Clans erzählt der Boulevard-Zeitung “Sun”, dass Paris im AEG-Prozess gegen Michael Jackson erfahren hat, dass sie und Prince lediglich eine gemeinsame Mutter, Debbie Rowe, haben. Das war kurz vor ihrem Selbstmordversuch.

(c) Paris Jackson via Instagram
(c) Paris Jackson via Instagram

War das alles zuviel für das Mädchen? Wollte sie nur noch ihre Ruhe? Doch Ruhe wird es nicht geben, denn nun streiten Debbie Rowe und Katherine Jackson um Paris. Zwar hatte Rowe mit Paris’ Geburt alle Rechte abgetreten, aber in den letzten Monaten haben sich die beiden sich einander angenähert. Paris besuchte sie sogar auf ihrer Ranch, feierte dort Geburtstag. Nun will Debbie, dass die 15-Jährige bei ihr einzieht.

Welch Wahnsinn, was für eine beharrliche Hatz –  von jeder nur denkbar möglichen Seite. Freunde? Familie? Gibt es sie wirklich? Oder sieht nur jeder das Million-Dollar-Girl in Paris – ein Instrument, mit dem man sich steinreich verdienen kann? Ein Entkommen aus dieser Situation scheint somit fast unmöglich. Das Netz aus Profitgier, Egoismus und Feindseligkeiten ist engmaschig verwoben, dicht um Paris geschnürt.

Wie muss sich eine labile 15-Jährige fühlen – mitten in ihrer turbulenten Pubertät, die sich nahtlos an die zerrissene Kindheit angeschlossen hat? Es ist ein Stadium, in dem man geprägt wird, formbar wie Knetgummi ist. In dem Erschütterungen das Persönlichkeitsgebilde nicht nur beschädigen, sondern zum kompletten Einsturz bringen können. Es gab nie ein normales Leben, und das wird es auch niemals geben.

Wie soll sich da eine Jugendliche helfen, an wen wenden? Michael Jackson, der einzige Mensch, der sie verstand, mit dem sie viel verband, ist nicht mehr da. Wird niemals mehr da sein.

Letzter Ausweg Selbstmord? Flucht in den Tod? Ist das eine Lösung? Nein. Natürlich nicht. Vielleicht war diese Tat auch nur ein Hilferuf mit dickem Ausrufezeichen. Vielleicht wollte sie ihrem Leben nicht ein Ende setzen. Dafür spricht, dass sie selbst die Notrufnummer wählte.

Und sie hatte Glück, wurde schnell ins Krankenhaus eingeliefert – und gerettet. Hoffentlich gilt das auch für ihre Psyche. Ein Schicksal mit Drogenexzessen, Suchtklinikaufenthalten und anderen Skandalen à la Lindsay Lohan, Britney Spears oder Macaulay Culkin möchte man ihr ersparen.

Einen Schritt in ein anderes Leben hat der Teenager schon gewagt: Bei ihrer Oma möchte sie nicht mehr wohnen. „Ich möchte leben. Ich möchte nur nicht länger zu Hause leben. Ich habe das Gefühl, dort zu ersticken. Ich will zu Diana Ross, sie war Daddys engste Vertraute.”

Hoffentlich findet Paris dort Zuflucht vor all den ganzen Profit-Jägern.

Na, anderer Meinung?

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