Eine mutige Frau: Angelina Jolie

Was für ein Medienaufruhr! Jeder TV-Sender, jedes Online-Newsmagazin und jeder Radiosender hat dieses Thema heute ausgeschlachtet: “Krebsangst! Angelina Jolie hat sich ihre Brüste abnehmen lassen!”

Ja, das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei Angelina Jolie bei 87 Prozent – ein defektes Gen ist schuld. Ja, zu 50 Prozent kann sie auch Eierstockkrebs bekommen. Ja, ihre Mutter, Oma und auch der Opa sind dem Krebs erlegen. Und ja, Jolie hat es getan: Sie hat sich im April ihre Brüste abnehmen lassen und es jetzt der “New York Times” gestanden. Inzwischen weiß es die ganze Welt.

Ein großer Teil genau dieser Welt ist mittlerweile völlig genervt, fragt sich: Warum wird da eigentlich so ein Spektakel drum gemacht? Haben Christina Applegate und Kathy Bates nicht dasselbe getan? Und wie war da die Resonanz? Eher gedämpft. Die Medien haben es wahrgenommen, erwähnt und vergessen.

Bei Angelina Jolie ist hingegen das komplette Gegenteil eingetreten: Das Drama um die Beschneidung ihrer Weiblichkeit wird durch den Fleischwolf gedreht: “Sie hat sich ihre Brüste abnehmen lassen”. “Schon ihre Mutter hatte Krebs”. “Brad Pitt findet ihren Entschluss heldenhaft” – so das Medien-Echo.

Dieses gewaltige Echo ist nicht ein Hauch erstaunlich. Es war zu erwarten. Und es hätte mich gewundert, wenn es nicht so ausgefallen wäre. Denn Angelina steht mit ihren vollen Lippen, der honigbraunen Wallemähne, ihrem perfekt proportionierten Gesicht und dem wohlgeformten Körper vor allem für eines: vollkommende Schönheit. Erotik. Eine Frau, von der die Männerwelt träumt, sich an ihrer Seite wünscht.

Ihr Äußeres ist ihr Kapital, das sie auch selbst immer wieder in Szene setzte. Sie weiß um ihre Schönheit. Und genau hier wird im wahrsten Sinne des Wortes ein tiefer Einschnitt vorgenommen: Ein Teil ihrer Weiblichkeit wird ihr geraubt. Die Weiblichkeit, die sie zu dem machte, was sie ist: ein Sexsymbol. DAS Sexsymbol der letzten Jahre. Wer verbindet ihren Namen nicht mit Sinnlichkeit?

Angelina_Jolie_oeling_by_Monique_Autrey
Fotos via commons.wikimedia.org (Angelina Jolie © Monique Autrey)

Nun wird etwas von dieser natürlichen Sinnlichkeit genommen: Der Busen. Eines DER Merkmale, das für die absolute Weiblichkeit steht. Um es drastisch zu formulieren: Ihre Brüste werden ausgehöhlt und ein Fremdkörper eingeführt. Was das bedeutet? Sämtliches Gewebe wird entfernt. Haut und Brustwarzen bleiben erhalten. Dann wird mit Silikon alles wieder aufgepolstert. Ganz klar: Das ist ein Prozedere, das für wirklich jede Frau schlimm ist. Genau dies widerfährt jeden Tag vielen Frauen. Und keiner würdigt ihnen ellenlange Artikel , ausufernde TV-Reportagen oder Millionen Kommentare.

Angelina Jolie hat da das Glück in der Öffentlichkeit zu stehen. Sie steht für viele Frauen. Und sie ist mutig. Mutig, weil sie sich an die Medien gewandt hat. Sie hätte auch ihre Ängste verschweigen können. Und derzeit sind es tatsächlich bloß Ängste – denn ein Risiko bleibt eben nur ein Risiko. Knötchen hatte sie keine.

Dafür hat sie jetzt vor allem eines: Viele Kritiker, die sich echauffieren, warum sie sich zwei (noch) gesunde Brüste hat entfernen lassen. Aber ich finde: Es war richtig. Eine fast 90-prozentige Wahrscheinlichkeit ist viel zu hoch. Eine Mutter, Oma und Opa, die an Krebs gestorben sind – das sind drei Familienmitglieder zuviel. Den Leidensweg der eigenen Mutter bewusst zu erleben, zu fühlen, darunter zu leiden – das ist hart. Und das härtet ab! So sehr, dass sie nicht davor zurückschreckt, sich in ihrer Weiblichkeit zu beschneiden – und damit auch ihren Mythos als Sexsymbol antastet.

Deswegen kann ich nur sagen: Angelina Jolie ist einfach eine mutige Frau. Wer jetzt sagt, die will doch nur Medienaufmerksamkeit, der irrt!  Davon hat sie zuviel. Sie ist am Hollywood-Olymp angekommen. Schon lange. Sie will nur warnen. Frauen sensibler für den Brustkrebs machen. Und sie will zeigen, dass für sie nur eines wichtig ist: ihre Familie, wie sie selbst der “New York Times” sagte.

Sexy wird sie trotzdem bleiben, auch wenn sie sich selbst vielleicht nicht mehr so fühlen wird.

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