Ellen Page ist lesbisch! Na, und?

Die Menschheit ist inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen. Wir können zum Mond fliegen, haben unsere Lebenserwartung seit der Steinzeit um das Dreifache in die Höhe geschraubt, doch gewisse Dinge haben sich seitdem nur schleppend verändert. Noch immer werden Homosexuelle schräg angesehen, diskrimiert und verfolgt.

Nun setzt Ellen Page zum Befreiungsschlag an, outet sich als lesbisch. Ja, genau die Ellen Page, die uns alle als Teenie „Juno“ mit dickem Schwangerenbauch, charmanter Klappe und Leichtigkeit verzückte. Doch unbeschwert fühlte sich die 26-Jährige schon lange nicht mehr, zu viel Druck lastete auf der zierlichen Oscar-Nominierten. Sie drohte zu zerbrechen – und all das nur, weil sie Frauen liebt. Sie ist keine Killerin, keine Sadistin oder Pädophile. Sie zieht lediglich ihr eigenes Geschlecht dem männlichen vor. Ich habe diesen Fakt schulterzuckend zur Kenntnis genommen und gedacht: Na, dann ist das eben so?!

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Foto via commons.wikimedia.org (Ellen Page © Tony Shek)

Trotzdem berichten alle Medien von diesem “Ereignis”. Und allein diese Tatasache zeigt, dass  es eben doch als “abnormal” angesehen wird, wenn man homosexuell ist – und das im Jahr 2014! Vor allem im Haifischbecken Hollywood dürfte so manch einer sein Näschen rümpfen, schließlich muss man passgenau einer bestimmten Schablone entsprechen: jung, hübsch, skandalfrei und heterosexuell – so sieht die perfekte Aktrice aus. Und nun hat Ellen ein paar Dellen, schlägt aus, platzt aus dem Förmchen.

Wird die talentierte “Inception”-Schauspielerin noch weitere Rollen bekommen? Würde man sie verstoßen? Würde sie als Mensch nicht mehr zählen, sondern nur noch auf ihre Sexualität reduziert werden? Doch sie hat einfach keine Kraft mehr, diese Maske weiterhin zu tragen. So zu tun, als hätte sie den Richtigen noch nicht gefunden, sei zu beschäftigt um einen tollen Kerl kennenzulernen.

In einer Rede vor etwa 600 Mitgliedern der „Human Rights Campaign“ spricht sie mit bebender Stimme und zitterndem Körper ihre erlösenden Worte: „Ich bin heute hier, weil ich homosexuell bin. Und weil ich vielleicht etwas ändern kann.“ Man fühlt mit jeder Faser des eigenen Körpers, welche Überwindung diese Worte für sie sind. Wie schwer es ihr fällt das zu sagen, wofür man sich eigentlich gar nicht erklären sollte. Aber man muss es. Noch immer.

Etwas ändern wollte auch Wentworth Miller (“Prison Break”) und schlug die Einladung zum Russischen Filmfestival im vergangenen Sommer in St. Petersburg aus. Damit protestierte er gegen die umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetze – und outete sich als schwul. Mit stolzen 41 (!) Jahren. Viel zu lange habe er unter seiner sexuellen Ausrichtung gelitten, wollte sich sogar als 15-Jähriger umbringen. Das sagt so vieles über unsere Gesellschaft und ihre teilweise archaischen Konventionen aus. Wer ihre Grenzen übertritt, wird fortan geächtet.

Auch die Schauspieler Portia di Rossi (“Ally McBeal”) und Rupert Everett (“Die Hochzeit meines besten Freundes”) outeten sich, hatten es aber deswegen deutlich schwerer als ihre heterosexuellen Kollegen. Everett sagte einmal in einem Interview über das Outing: “Es ist nicht besonders ratsam, um ehrlich zu sein. Es ist nicht einfach. Ganz ehrlich, ich würde keinem Schauspieler, dem wirklich etwas an seiner Karriere liegt, dazu raten, sich zu outen. ” Man würde es sonst nie ganz nach oben schaffen: “Dieser Tage in Hollywood zu sein, fühlt sich an, als wäre man bei den christlichen Fundamentalisten gelandet. Es ist sehr, sehr rechts, selbst wenn sie alle behaupten Anhänger der Demokraten zu sein und Obama zu unterstützen.”

Um eine Veränderung in Gang zu bringen, braucht es mehr solcher Stars. Das weiß auch Ellen Page, deswegen sagt sie: „Ich fühle eine persönliche Verpflichtung und eine soziale Verantwortung zu meiner Homosexualität zu stehen. Ich tue das aber auch aus egoistischen Gründen. Ich bin müde davon, mich zu verstecken und zu lügen.“ Ja, man muss die veralteten Gesellschaftsnormen ändern. Die Zeit ist überreif. Und es hilft nicht, sich zu verstecken, weil das zum Stillstand führt. Gerade Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind Vorbilder.

Ich bin mir sicher, dass es noch viel, viel mehr Schauspieler(innen) gibt, die schwul oder lesbisch sind. Unter ihnen gewiss auch einige Mega-Stars. Sie müssen sich trauen und es öffentlich machen, damit keiner mehr über ihre Sexualität spricht.

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