Germany’s Next Topmodel [2] – Heidi lebt, Franzi geht

Grey’s Anatomy läuft, Serienspecial in Singapur. Notaufnahme im „Raffles Hospital“. Dr. Christina Yang nimmt einer völlig entkräfteten Patientin Blut ab, deren Körper durch einen Tropf mit Kochsalzlösung versorgt wird…

Ähm, moment mal, das ist ja Heidi Klum! Und das heißt: Hier läuft „Germany’s Next Topmodel“!

Klum liegt im Krankenbett – und Theatralik in der Luft: Sie windet sich hin und her, Tränen laufen über die Augenwinkel an den Schläfen hinab, das blonde Haar hängt fettig und wirr im klatschnassen fahlen Gesicht. Immer wieder stößt sie mit allerletzter Leibeskraft, die sie ihrem ausgemergelten Körper gerade noch so abverlangen kann, verwaschen hervor: „Mir  ist so heiß und dann wieder kalt, heiß und dann wieder kalt.“ Wenn das mal kein Zeichen für das einsetzende Klimakterium ist! Naja, aber die Durchschnittsfrau ist weitaus älter als 40, wenn die Östrogene ihren Dienst einstellen. Nein, es ist etwas anderes.

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Foto via commons.wikimedia.org (Heidi Klum © The Heart Truth)

Es ist der Exorzismus der Heidi Klum, der gerade im „Blairwitch Project“-Style gedreht wird, damit bitte auch die letzte humanoide Minimalkonfiguration schnallt, dass diese Situation hochdramatisch ist. Leben oder Tod – das ist hier die Frage! Wird Heidi Klum uns noch weiterhin mit ihrer Off-Stimme Schweißbäche auf die Stirn treiben und als Tinnitus im Gehörgang verbleiben? Das hängt ganz davon ab, welche Mikroorganismen sie während der Entdeckungsreise durch Dönertown eingesammelt hat. Doch dann gehen die Kameras aus, Heidi Klum will nicht mehr gefilmt werden…

Thomas Hayo rechnet offenbar damit, dass Heidi den nächsten Catwalk nur in liegender Position passieren wird – und zwar Richtung Friedhof: „Wenn es der mal nicht gut geht, muss sehr ernst sein.“

Und so werden die jungen Gazellen ohne modelmütterliche Ermutigung auf den Laufsteg gestoßen, wo sie auf ihren klapprigen Beinchen durch die Manege des Modezirkus staksen. Bei einigen gestaltet sich der Fußmarsch eher holterdipolter mit Umknicken, Verheddern & Co. Andere erweisen sich als feinmotorisch, sind jedoch im Geiste eher grobmaschig gestrickt: “Ich bin ziemlich damn stolz”, so das Fazit einer Kandidatin. Oh, man, wie damn dumm.

Völlig belämmert sind übrigens auch die merkwürdigen Gebilde, die sich Haute Couture nennen. Gruuuuselig! Wie aus Tausend und einem Alptraum. Da würde selbst Freddy Krueger sein Höschen benetzen und sich seine Klingen freiwillig in die Kehle jagen! Das Zeug erinnert an eine bizarre Mischung aus Karnevalskostümen, Star Wars-Montur und Terroristen-Zwirn. Der letzte Fummel, den Nathalie präsentiert, soll wohl das Meisterwerk sein und sieht aus wie eine Kreuzung aus Kackhaufen und Godzilla. Bäh! Nä! Wer so schräg auf die Straße geht, gehört in die Klapse! High Fashion eben – zu hoch für den Durchschnittskonsumenten.

Für die Models geht’s nach der großen Show unter eine Käseglocke, wo ein “Tropical Rainforest” wächst, wie der Hayo so schön ausführt. Dort werden sie mit Schlangen behangen und laut Thomas vom “Rising Star in der Fashion Photography” zum Abschuss freigegeben. Oh, my God, ob da dem Herrn Hayo irgendwann ein Lichtlein aufgeht und er realizes, what er da für einen Bullshit quatscht? But as we all know: German language, difficult language.

Zurück zu den Meeedchen: Wie meistern die denn die Konfrontation mit den glitschigen Gesellen? Einige sind vor Angst paralysiert, manche zicken und zetern. Andere finden’s richtig dufte, wie Aminata und auch Betty: “Betty macht alles mit, das mögen wir gerne”, freut sich Hayo. Und dann gibt’s die, die nach der “Mami” rufen, woraufhin Thomas erstmal verdutzt ist. Mummy? Äh, was ruft die denn nach einer Mumie, fragt sich der Deutsche. Haha, also echt, die ist wirklich schräg drauf, die Anna mit den X-Beinen.

Aber was noch viel wichtiger ist: Wo ist eigentlich Wolle Joop? Na, der lässt gerade sein Kunstledergesicht straff ziehen. Wird in der Maske zurechtgezupft. Als Heidi in der Modelvilla nach “Wolfgaaaaaang” quäkt, kommt er auch schon herbeigeschwebt von seinem fremden Stern – wo das Licht offenbar erblindend hell gewesen sein muss, denn warum trägt er im geschlossenen Raum eine Sonnebrille? Eine Frage, die für immer offen bleiben wird.

Allerdings hat er sich als Fan geoutet – von “edgy” Anna: “Ich finde, du siehst toll aus.” Trotz schiefer Hüfte, Zahnsprange und großen Ohren kommt sie in die nächste Runde, denn sie ist ein Typ, den man sich merkt. Und ihren “Walk” meistert sie ebenfalls klasse! Ganz im Gegensatz zu Samantha, die der Meister zwar “bildhübsch” findet, aber “der Laufsteg ist ihr Feind und die Kamera ist auch nicht ihr Freund”. Suboptimale Voraussetzungen für ein Model. Trotzdem bleibt sie der Sendung erhalten. Franziska hingegen nicht. Die fliegt raus. Warum? Joop meint: “Du bist ein unheimlich hübsches und gesundes Mädchen, nur nicht für High Fashion.” Was für eine kranke, hässliche Äußerung! Welch groteske Botschaft an Teenager! Denn die heißt: Beweg dich an der Grenze zum Tode, damit du deinen Traum leben kannst. Daumen runter!

Auch bei Nathalie kann man leider nur das Fazit ziehen: “Gefällt mir nicht”. Die sieht zwar gut aus, macht aber einen auf Megan Fox. Problem: Die gibt’s schon. Und ein Double wird bei “GNTM” nicht gesucht. Das Gepose geht Heidi auf die sonst so starken Nerven: Nathalie wirke ihr “zu aufgesetzt und madamig”, während Wolle befindet: “Ich bin diese verzickten Gesichter aus der High Fashion gewöhnt.” Und nun? Pattsituation.

Also fordert Klum Nathalie auf, natürlich zu gucken. Einfach mal loslassen! Was sich für die 16-Jährige zu einer wahren Tortur entpuppt. Sie schiebt den Kiefer vor, entblößt die gebleachten Zähne, setzt den Megan-Sex-Blick auf und bekommt einfach nicht die Augenbrauen unter Kontrolle, die sie offenbar mit einer Tapezierrolle nachgezogen hat.

Ja, wie schaut man denn nun natürlich aus der teuren Wäsche? Vor lauter Verkrampftheit zucken schon die Gesichtsmuskeln. Das wird so nix, denkt die Klum und wirft Nathalie kurzerhand in den Pool. Schwupps geht auch die seltsame Mimik baden und das süße Mädchen zeigt sein wahres Gesicht. Geht doch, liebe Nathalie. Schließlich heißt diese Sendung ja auch “Show yourself” – und nicht “Be Megan Fox”.

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