Interview: Warum traut sich die Braut?

Heiraten ist wieder “in”: Immer mehr Bräute hibbeln dem schönsten Tag des Lebens entgegen. Dabei sah die Zukunft der Ehe vor einigen Jahren gar nicht so rosig aus. Nathalies Textstube sprach mit einer Braut und forschte nach ihren Beweggründen für den Schritt vor den Altar.

Ach, wie schön war es in der guten alten Zeit, den goldenen 20ern: Da war fast jeder als “Twenty-Something” verheiratet. Kein Sodom und Gomorrha. Die Kurve der Ehe-Statistik schlug heftig nach oben aus. Fast 15 Eheschließungen je 1000 Einwohner pro Jahr (Quelle: Statistisches Bundesamt). So viele Paare drängten noch nie ins Standesamt. In keiner Zeit zuvor, in keiner danach.

(c) Elitravo/Fotolia
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Den absoluten Tiefpunkt markierte das Jahr 2006 – 4,5 Hochzeiten je 1000 Einwohner. Damit lag es beinahe auf dem Niveau zur Zeit des ersten Weltkriegs (3,9/1000). Langsam geht’s wieder bergauf, die Zeit der Hochzeitsmuffel scheint vorbei. Ist die Ehe nun endgültig ihren verstaubten Ruf los?

Irene Nathalie aus Hamburg ist eine Braut, die sich traut. Aber warum eigentlich?

Nathalies Textstube: Du bist also eine Spießerin.

Irene Nathalie: Oh la la, wie provokant. (mit ironischem Unterton)

Nathalies Textstube: So bekommt man manchmal ganz interessante Reaktionen…

Irene Nathalie: Okay, um darauf zurückzukommen: Warum spießig? Was ist am Heiraten spießig?

Nathalies Textstube: Ich stelle doch hier die Fragen…

Irene Nathalie: Gut, dann sag ich dir mal was: Natürlich muss man nicht heiraten. Man steht nicht mehr unter Druck, wie vor 60 Jahren. Wenn man damals mit 25 Jahren noch nicht unter der Haube war, galt man ja schon als alte Jungfer und war so gut wie unvermittelbar. Und außerdem waren die Frauen damals ja wohl finanziell abhängig von den Männern. Eine Frau gehörte an den Herd. Nix Selbstständigkeit oder gar Karriere! Man wurde für’s Heiraten und Kinderkriegen geboren. Sozusagen geboren, um zu gebären. Wäääh…

Nathalies Textstube: Können wir mal zum Punkt kommen? Worauf willst du hinaus?

Irene Nathalie: Frauen sind so emanzipiert wie nie. Sie sehen eine Hochzeit nicht mehr als Aus ihrer Selbstständigkeit – und es ist auch nicht verpönt, unverheiratet zu sein, was das Heiraten daher wieder interessant macht. Heute kann man tun und lassen, was man will: Wilde Ehe, fünf Liebhaber gleichzeitig, sich selbst ewige Treue schwören. Und wer seinen Chihuahua oder auch den Klodeckel ehelichen will, kann auch das tun.

Nathalies Textstube: Zum Punkt bitte!

Irene Nathalie: Wir heiraten, weil wir uns lieben und sehen die Ehe als Symbol unserer Gefühle füreinanander. Weil es einfach romantisch ist. Warum soll ich es nicht tun, wenn ich weiß, dass ich mit keinem anderen Menschen mein Leben verbringen will? Was spricht dagegen? Ich brauche keinen Notausgang, um schnell abhauen zu können. Von daher lasse ich mich gerne an die Kette legen. Da fällt mir ein: An die Kette legen – was für ne schwachsinnige Phrase eigentlich? Ich werde ja nicht gefangen genommen. Stammt wohl auch noch aus Urzeiten…

Nathalies Textstube: Ist denn die Eheschließung so wichtig? Es ist doch nur ein Blatt Papier, worauf steht: Ihr seid verheiratet. Mehr nicht.

Irene Nathalie: Wie ich bereits sagte: Es ist die Symbolik. Und außerdem….

Nathalies Textstube: …dir geht es also um die Symbolik? Na, dann kauf dir ein Hochzeitskleid, geht essen und sagt euch gegenseitig Liebesschwüre auf… Da hast du dann genug Symbolik.

Irene Nathalie: Du hättest mich vielleicht mal ausreden lassen sollen! Immer dasselbe mit dir! (rollt genervt die Augen)

Nathalies Textstube: Na, dann, schieß los. Ich bin ganz Ohr.

Irene Nathalie: Herzlichen Dank! Also: Wir wollen uns nicht irgendwo hinsetzen und was vortragen. Jedenfalls nicht so, wie du es meinst. Wir wollen ein gemeinsames Klingelschild. Wir wollen Mann und Frau sein – und das auch hochoffiziell vor dem Staat. Nebenbei hat es auch praktische Vorteile: Steuererleichterungen. Aber das interessiert mich wirklich nur sekundär.

Nathalies Textstube: Aha, die Kohle lockt also. Von wegen nur die Liebe zählt.

Irene Nathalie: War ja klar, dass du darauf rumhacken musst. Ich habe doch gesagt: Das ist ein ganz netter Nebeneffekt. Ja, uns geht es NUR um die Liebe.

Nathalies Textstube: Okay, ich glaube es dir ja. Zum Schluss noch drei allgemeine Fragen. Nummer eins: Hast du Angst, dass etwas schief geht auf deiner Hochzeit?

Irene Nathalie: Eigentlich nicht wirklich. Ich bin nur sehr empfindlich, was Hitze angeht. Daher: Es wäre eine Katastrophe, wenn mir vor dem Ja-Wort schwarz vor Augen würde und ich sie kurz darauf mit jeder Menge Sand im Mund öffne. Bin aber noch nie umgekippt. Von daher: alles palletti.

Nathalies Textstube: Wie wird dein Kleid aussehen?

Irene Nathalie: Das verrate ich ein anderes Mal. Im Herbst, wenn die Hochzeit vollzogen wurde.

Nathalies Textstube: Buuuuuuuh!

Irene Nathalie: Immer mit der Ruhe. Ich gebe vorher schon noch Hinweise, aber bestimmt nicht jetzt. Tja, tut mir leid. (mit ironischem Unterton und Wimpern-Klimpern)

Nathalies Textstube: Wie lange hast du gebraucht, um dein Kleid auszusuchen?

Irene Nathalie: Nicht sehr lange (lacht). Ich habe so gut wie keine Geduld und deswegen bin ich nur durch ganz wenige Brautläden gezogen. Außerdem hatte ich so ganz unspießig meinen Freund dabei.

Nathalies Textstube: Was? Der durfte dein Kleid sehen?

Irene Nathalie: Ja, wir sind eben ganz modern, nicht wahr? (grinst)

Vielen Dank für das Interview, liebe Irene Nathalie.

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