Kranke Model-Welt: dünn, dünner, tot!

Heidi Klums GNTM-Models sind fett. So richtige Wuchtbrummen. Und diese Mädchen wollen auf den Laufsteg? Ernsthaft High Fashion an ihren voluminösen Leibern präsentieren? Pah! Soll das ein Witz sein?

Ich weiß, diese Einleitung ist provokant. Das soll sie auch sein. Denn wahrscheinlich jeder wird beim Lesen dieser Worte ungläubig die Brauen hochziehen und sich fragen, ob ich noch ganz schussecht bin. Logisch. Denn jeder, der seinen Blick über die beinahe makellosen Körper von Maike (19), Lovelyn (16) und Luise (18) gleiten lässt, sieht, dass es Top-Figuren sind.

Keine Sorge. Solch eine kranke Meinung, wie eingangs beschrieben, vetrete ich nicht. Im Gegenteil, ich bin schockiert über die Aussage des Designers Kilian Kerner: „Lovelyn ist nicht dünn genug, zu wuchtig. Meike ist zu klein und Luise ist zu breit.“ Wie bitte? Wuchtig? Breit?

Denken solche Menschen eigentlich über ihre Wortwahl nach? Nein, natürlich nicht. Wie dumm von mir, überhaupt diese Frage zu stellen. Designer scheinen allesamt unter massiven Wahrnehmungsstörungen zu leiden. Oder warum klappern nur Models über den Laufsteg, die so aussehen, als würden sie jeden Moment in den Sarg kippen? Ich wundere mich sowieso, woher sie die Kraft nehmen, den Catwalk auf und ab zu stelzen. So hohlwangig, ausgezehrt und knochig. Jede einzelne Rippe zeichnet sich deutlich unter der pergamenten Haut ab. Und auch Knie, Ellenbogen, Beckenknochen treten spitz hervor.

(c) Fotolia
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Ist das schön? Sicherlich nicht. Um Schönheit geht es auch gar nicht. Es ist ein großer Irrtum, dass alle Models attraktiv sind. Das war vielleicht früher mal so. Heute sollen sie möglichst androgyn wirken: keine Brüste, keinen Po, keine Taille. Haut und Knochen – das ist perfekt. Bloß alles weghungern und abtrainieren, was entfernt noch an das weibliche Geschlecht erinnern könnte. Warum steckt man nicht gleich Jungs im Alter von 14 bis 16 Jahren in die Haute Couture? Das wäre doch DIE Lösung: Sie sind groß, haben noch weiche Gesichtsszüge, keinen Busen und eine schmale Hüfte. Perfekt.

Nee, man setzt lieber weiterhin auf die inadäquate Gattung Frau, die in Saft getränkte Wattebäuschchen zum Mittagessen runterwürgt. Zum Abendessen ist immerhin noch ein Tic Tac drin, hat ja eh nur 2 Kalorien. Was nicht passt, wird eben passend gemacht, wie die Figur von Julia Stegner zum Beispiel. Agenturchefin Louisa von Minckwitz sagt der “B.Z.”: „Standard für High Fashion sind, wie bei Julia Stegner, 48 Kilo auf 1,80 Meter. Aber auch die Proportionen müssen stimmen.“ Es muss eine unsägliche Pein sein, sich solch eine Figur anzuhungern. Was für ein grauenhaftes Leben, immer auf der Schwelle zum Tode zu stehen. Ein Seiltanz. Wie pervers, jungen Mädchen so etwas abzuverlangen.

“GNTM”-Luise ist mit ihrem Gewicht in Minckwitz’ Augen meilenweit von einer Top-Figur entfernt: 59 Kilo bei 1,82 Meter – das ist eben zu dick. „Schade, denn gerade in Luise sehe ich Talent. Leider sind ihre Hüften zu breit“, so Minckwitz. Da muss Luise wohl noch 10 Kilo abnehmen.

Das ist doch krank und wahnsinning. Solche Models sind doch nichts anderes mehr als Zombies. Wer das nicht glaubt, kann gern sein eigenes Gewicht auf die “Ideal-Maße” einer Julia Stegner (BMI 14,5) übertragen. Wenn ich so dünn sein wollen würde, müsste ich noch 16 Kilo (!!!) abnehmen: Ich wiege 52 Kilo bei 160 cm und finde mich schlank. Klar, seine obligatorischen 2 Kilo hat jeder, die er loswerden will. Aber 16? Das würde 36 Kilo Körpergewicht bedeuten. Vielleicht würde ich die aber auch gar nicht erreichen, weil mein Herz bei 37 Kilogramm streiken würde. Tja, “High Fashion” wäre dann wohl für mich gestorben (davon mal abgesehen: ich bin eh zu klein).

Ich hoffe inständig, dass wieder Frauen mit weiblichen Körpern Mode auf den Laufstegen präsentieren dürfen – und dieser morbide Trend stirbt.

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