Von Ärzten und Ärschen

Arsch von Arzt: Er ist eine Legende, man hört nur die wildesten Geschichten über ihn. Doch eine Person in meinem Umfeld traf ihn. Ich demaskiere den Weißkittel gern.

Sie hat Schmerzen. Dolle Schmerzen. Hatte sich verhoben. Aber sie sagt nichts. Ist ihre Natur. Blöde Natur. Wird schon wieder, denkt sie. Wird nie wieder – weiß sie aber nicht. Tochter ist auf einer Hochzeit. Bloß nicht nicht den Tag verderben, sagt sie sich. Also erträgt sie alles tapfer. Mehrere Tage. Dann erzählt sie es. Tochter ärgert sich.

Sie wird von Freunden zur orthopädischen Praxis gebracht, kann nicht mehr gehen. Der behandelnde Weißkittel: Arsch von Arzt. Arsch von Arzt hat keine Zeit. Zack, zack. Hopp, hopp. Ein Röntgen-Bild macht er. Und flink einen Test. Hätte zwar mehr machen können, aber wozu sich lang mit einem Patienten beschäftigen? Die Lust hat nicht so wirklich Lust, versteckt sich weit hinterm griesgrämigen Gesichtsausdruck.

Arsch von Arzt diagnostiziert: Hexenschuss. Sie traut sich nichts zu fragen. Schließlich hat er’s eilig. Eilig? Stand Arsch von Arzt 30 Jahre am Fließband und hat erst seit einigen Tagen mit lebendigen Menschen zutun, fragt sich die Tochter. Tochter bläut ihrer Mutter ein: Frag! Frage alles. Das ist sein verdammter Job! Tochter ärgert sich insgeheim: Wird sie eh nicht tun. Schlimm, dass man in solchen Fällen nicht daneben steht und Arsch von Arzts Lustlosigkeit einfach ignoriert, sondern ihn löchert, bis er wie ein Schweizer Käse aussieht.

Schließlich sind seit dem ersten Tag ihrer Schmerzen 10 Tage vergangen. Sie wird zu Arsch von Arzt gebracht, klagt darüber, dass die Schmerzen einfach nicht aufgehört haben, sie ein Gefühl von Ameisenstichen in den Füßen wahrnimmt. Hm, denkt sich Arsch von Arzt, für einen Hexenschuss dauert’s nun zu lang. Vielleicht also doch ein Bandscheibenvorfall? Sie bekommt einen Termin für einen MRT. Bis dahin verstreicht wieder Zeit. Vielleicht vier Tage, ein Wochenende liegt dazwischen.

Kaum hat sie die Röhre verlassen, schlägt die diensthabende Ärztin Alarm: Ein richtig schwerer Fall. Die Lendenwirbelsäule ist hin, porös, hat alles mögliche: Arthrose, eine hochgradige Verengung des Spinalkanals, eine Fehlstellung des Gleitwirbels und einen schweren Bandscheibenvorfall, denn die Gallertmasse ist komplett ausgetreten. Zudem drückt genau diese auch noch auf einen Nerv. Welch Hiobsbotschaft. Tochter ruft an. Ganz normaler Bandscheibenvorfall, sagt die Mutter ihr. Stimmt nicht. Trotzdem vergeht noch ein ganzer Tag, bis sie wieder auf Arsch von Arzt trifft: Sofort ins Krankenhaus sagt er. Sofort….ein dehnbares Wort. Denn sofort bedeutet: am nächsten Tag.

Nun sind 14 Tage (!) vergangen. Die Spezialisten aus der Fachklinik reißen die Augen auf. Schwerer Fall, sofort operieren. Ach was, sagt die Freundin der Mutter voller Ironie, der andere Arzt sagte doch noch: Hexenschuss. Tja, für eine genauere Diagnose hätte sich Arsch von Arzt vielleicht einfach Zeit nehmen müssen.

Hätte man ein wenig länger gewartet, dann wäre ihr Bein gelähmt gewesen, sagen die Klinik-Ärzte. Sie wird zwischen andere Patienten geschoben. Die haben’s eh nicht so eilig. Chronische Fälle, es brennt nur bei ihr. Eigentlich nehmen sie keine aktuten Fälle. Doch ihre Situation ist einfach zu heftig. Sie wollen ihr Titanplatten einsetzen, um den unteren Bereich zu stabilisieren.

Hier kann nix schiefgehen. Wird es auch nicht. Denn hier sind echte Ärzte am Werk. Sie hören zu. Fragen nach. Sind freundlich. Fast schon überfreundlich. So sehr, dass ihre Freunde ins Schwärmen geraten. Tochter ist skeptisch: Was ist denn hier los? Hat man  ihren Freunden irgendwelche Substanzen verabreicht? Hat man nicht, denn auch die Tochter merkt schnell: Die Mutter ist in wahrlich guten Händen. Von Ärschen weit und breit keine Spur. Hier sind sie Legende.

P.S: Wer sich noch weiterärgern will. Hier noch ein Fall, auch aus dem näheren Umkreis.

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