Weinen beim Filmabend? Peinlich! Oder doch nicht…?

Ich meinem Leben gibt’s zwei echte Heulfilme. Nicht weil sie so schlecht sind. Sie bewegen mich einfach. Und dann sehe ich so aus, wie Will Smith auf diesem Foto hier. Ja, ich geb’s zu. Meist schlimmer. Was Will damit zutun hat? Der ist Hauptdarsteller in diesem Drama! Blöder Will. Pfui, pfui, pfui…

Erst vor einigen Tagen habe ich ihn wieder gesehen – meinen absoluten Fontänen-aus-den-Augen-quell-und-Kissen-danach-auswring-Film: “Sieben Leben“. In solchen Momenten verfluche ich mich, weil ich nur ein Zwei-Minuten-Ei bin. Du hohle Nuss, das ist doch nur gespielt, sage ich mir dann im Geiste. (Vorsicht Spoiler) Will Smith würde einen Teufel tun und mit hochgiftigen Quallen ein Plänschen in der Badewanne hinlegen. (Spoiler Ende) Weiß ich doch, antworte ich mir dann kleinlaut.

Trotzdem blärre ich, als würde gerade ein enges Familienmitglied mit dem Sarg in die Erde gelassen werden. Die Story ist ja auch mehr als traurig – und hochdramatisch. Von echten Cineasten habe ich mir hämisch sagen lassen, dass “Sieben Leben” auch ihnen Tränen in die Augen treibt: Und zwar wegen Will Smiths Leistung  – und weil die Geschichte ja soooo weit hergeholt sei. Pah! Und was soll dann “Transformers” sein?! Na klar, überaus realistisch! Mindestens so echt wie die Wurst-Lippen von Hauptdarstellerin Rosie Huntington-Whiteley. Da lachen die Hühner nicht nur, sondern machen gleich die Flatter. Sowas kann auch nur aus männlichen Mündern kommen – und eigentlich…ist es auch schietegal! Die sind eben nicht sensibel genug. Punkt.

Und noch etwas sollte mir egal sein: Das, was andere denken, wenn mir die Tränen aus den Augen schießen und es jeder sehen kann. Jawohl. Damit habe ich ein echtes Problem. Wenn man weint, ist man verweichlicht – eben das pure Gegenteil von stark. Und wer zählt sich schon gern zu schwachen Hänflingen. Ich nicht! Deswegen verstecke ich meine Gefühle, wenn ein Sentimental-Filmabend angesagt ist.

Bei mir läuft’s meistens nach diesem Schema ab: Mein Herz zieht sich zusammen, so eng. Nun fällt es mir bereits schwer zu schlucken, denn es hat sich ein kleiner Kloß in meinem Hals breit gemacht. Und wenn mein Speichel die verengte Passage entlang läuft, dann hört es leider jeder. Glucks! Es wird gegrinst. Peinlich. Jetzt bloß nicht die Fassung verlieren. Es ist nur ein Fihiiiilm, singe ich mir innerlich vor.

Und dann passiert es doch: Die Augen füllen sich mit Tränen, nach und nach. Immer stärker. Noch kann ein Damm sie halten, mein Widerstand. Aber wie lange werde ich die Kraft haben, ihn zu erhalten? Wann ringt die Tränenarmee ihn nieder? Die Wasserwand steht vor meinem Augapfel. Ich blicke zum Fernseher. Gebannt. Obwohl ich es eigentlich nicht sehen kann, weil es einfach wehtut, meiner Seele schmerzt. Wie kann man sich auch bitteschön menschliches Leid freiwillig ansehen?

Bin ich Masochist, oder warum tu’ ich mir diesen Kram hier an?! Nur noch eine Szene, ein wehmütiger Blick, eine zärtliche Geste, eine traurige Mimik, irgendein Zeichen des Schmerzes und ich fange… Nein, bitte jetzt nicht sterben! Warum muss Will Smith jetzt sterben? Das hätte alles anders laufen müssen. So ein Schwachkopf! Waruuuuuum… Zu meinem Pech wird das ganze Theater auch noch mit schrecklich-schöner Musik untermalt. Und dann brechen sich die Tränen Bahn.

Hach, wie gut, dass wir im Dunkeln schauen und ich mich etwas zur Seite drehen kann. Blitzschnell wische ich mir alle Nässe mit dem Ärmel aus dem Gesicht. Doch ich fliege auf, als man mich anspricht. Mit voller Nase spricht es sich eben verräterisch. “Hast du etwa geheult?”, werde ich mit blitzenden Augen und breitem Grinsen gefragt. Mist, ertappt. Jetzt cool bleiben. Steh doch dazu, sage ich mir.

“Ja, habe ich. Na und? Ist eben so ein trauriger Film”, antworte ich leicht patzig dem trockenen und offenbar gefühlskaltem Gesicht. Und in diesem Moment verspreche ich mir hoch und heilig: Nie wieder im Leben “Sieben Leben”! Trotzdem weiß ich: Versprechen sind dazu da, um gebrochen zu werden. (Übrigens, zur Info: “The Green Mile” war ähnlich schrecklich-schön für mich.)

Zum Weinen schön: Songs aus “Sieben Leben”:

Das erste, wirklich wunderschöne Lied kann ich nur oben im Text angeben (verlinkt im Text unter “schrecklich-schöne Musik), weil ich das Original nicht zum Einbetten als Video finde. Reinhören!

Nummer zwei ist “The Crisis”:

the crisis Ennio Morricone from GHOST on Vimeo.

Ich will euch aber nicht mit negativen Gefühlen hier entlassen, daher dieser Power-Song, ebenfalls aus “Sieben Leben”:

Und wer “Sieben Leben” noch nicht kennt, hier der Trailer:

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